BUNDESRAT

Liebe Österreicherinnen und Österreicher!

Vieles beschäftigt uns in dieser Zeit. Die Bedürfnisse der Menschen werden vielfältiger, unser Leben wird komplexer. Wir versuchen, Zuwanderung bestmöglich zu gestalten und müssen zugleich als kleines Land unseren Wirtschaftsstandort für weltweiten Wettbewerb stärken. Familienleben bekommt immer mehr Gesichter und zugleich müssen wir Strukturen schaffen, die den Staat handlungsfähig erhalten. Wir leben täglich mit wachsender Digitalisierung und müssen entscheiden, welche Werte unser Zusammenleben prägen sollen und welche vielleicht überholt sind. Es wirkt oft ziemlich unüberschaubar, manche scheinen überfordert, andere wären am liebsten schon jetzt fünf Schritte weiter. Zwischen all diesen Herausforderungen geht oft unter, was uns am nächsten ist. Das was oft selbstverständlich erscheint und daher scheinbar nicht groß angesprochen werden muss. Eines dieser zentralsten und menschlichsten Themen möchte ich als Präsidentin des Bundesrates zu meinem Schwerpunkt machen: die Pflege von Menschen, die auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Und die Hilfe für Pflegende, die bei der Bewältigung dieser Aufgabe selbst Hilfe brauchen. Noch immer werden viele Menschen auf diesem Weg allein gelassen – sei es sozial, strukturell oder finanziell. Ich möchte mit meiner Arbeit einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass Österreich menschlich bleibt. Dass wir jene nicht vergessen, die so vieles an Leistung erbracht, an Wissen gespeichert und an Liebe zum Leben zu geben haben. Dass Menschen, die zu Pflegenden werden, von möglichst allem befreit werden, das sie zusätzlich belastet. Dass Qualität und menschliche Wärme auch jenen zuteil wird, die es sich schwerer leisten können. Dass wir ehrlich und professionell agieren, wenn wir sehenden Auges auf einen notwendigen Systemwechsel hinsteuern. Diese Ehrlichkeit haben sich die Menschen in unserem Land verdient. Und für diese möchte ich ein Sprachrohr sein. Ich hoffe, gemeinsam mit möglichst vielen Menschen in unserem Land – seien es engagierte Menschen aus der Bevölkerung, Expertinnen und Experten sowie Politikerinnen und Politikern – nachhaltige Akzente setzen zu können. Damit qualitätsvolle, würdevolle und leistbare Pflege für alle Menschen, die diese brauchen, auch in Zukunft erhalten bleibt. In diesem Sinne hoffe ich, viele nachhaltige Impulse in diesem Halbjahr setzen zu können.

Denn:
Pflegen ist weit mehr als Versorgen. Es ist Kümmern, Wertschätzen und Lieben.

Mit herzlichen Grüßen

Sonja Ledl-Rossmann